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Die Besiedlung der Oberlausitz vom 9. bis zum 11. Jahrhundert

Das Landesamt für Archäologie Sachsen und die Naturwissenschaftliche Universität in Breslau mit dem Lehrstuhl für Anthropologie  suchen Antworten auf die Fragen, wie die Landschaft der Oberlausitz im 9. bis 11. Jahrhundert geprägt war und wie die hier lebenden Menschen ihren Alltag bewältigt haben. Antworten erwartet man sich sowohl von Feldforschungen aber auch von der Sichtung und Neubewertung des bereits bekannten Quellenmaterials.

Nach dem 4. Jahrhundert n. Chr. bricht in Folge der großen Migration – der sogenannten Völkerwanderung - die germanische Besiedlung in der Oberlausitz fast gänzlich ab. Aber ab dem 8./9. Jahrhundert erfolgt eine erneute Landnahme der aus dem Osten vordringenden Slawen. Historisch ist für diese westslawische Stammesgruppe der Name „Milzener“ überliefert.
Sichtbarer Ausdruck dieser frühmittelalterlichen Besiedlung sind die über 60 bekannten Burgen in der Oberlausitz, von denen bisher nur wenige erforscht sind. Bei den Burgen handelt es sich um Burgwälle, die mit Holz-Erde-Mauern und einem vorgelagerten Verteidigungsgraben gesichert waren. Geschulte Augen erkennen die Anlagen noch heute teilweise im Gelände.

Über die ländliche Siedlungsstruktur ist unsere Kenntnis nur bruchstückhaft. Bisher wurden nur wenige Siedlungsplätze archäologisch untersucht. Zum Leben gehörte und gehört natürlich auch das Sterben. Auch den slawischen Begräbnisplätzen soll im Projekt besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden. Anthropologen und Archäologen aus Breslau werden die Knochen aus den Bestattungen der Menschen, die von 1000 Jahren hier lebten, untersuchen. Mit modernen Forschungsmethoden können Geschlecht, Alter und Krankheiten bestimmt werden. Auf diese Weise werden ihre Biografien lebendig und wir erfahren, was die Menschen dieser Zeit gegessen haben und in welcher Beziehung sie zur Natur und ihrer Umwelt lebten. Anhand von Knochenuntersuchungen kann man sogar Rückschlüsse darauf ziehen, wie die Bewohner der Oberlausitz vor 1000 Jahren ausgesehen haben.

Nachstellung eines Gefechts um die Lausitz, 2018 © EuRegioKom Pieńsk

2018 jährte sich der für die Oberlausitz so wichtige, aber heute nur wenig bekannte Frieden von Bautzen zum eintausendsten Mal. Der im Jahr 1018 zwischen dem römisch-deutschen Kaiser Heinrich II. und dem polnischen Fürsten Bolesław I. Chrobry geschlossene Vertrag beendete die langjährigen Kriege und brachte Frieden für die Region. Für das Euroregionale Zentrum für Kultur und Kommunikation EuRegioKom in Pieńsk war dies der Anlass, das Ritterlager und die Kriegszüge des 11. Jahrhundert um das umstrittene Grenzland spielerisch nachzustellen. Im Rahmen des Projektes wird die nachgestellte Schlacht in einer Fotoausstellung in Pieńsk gezeigt.

Kontinuierliche Vortragsreihen, öffentliche Führungen zu ausgewählten Fundorten und Workshops begleiten das Projekt. Abschließender Höhepunkt wird eine Sonderausstellung der Ergebnisse im Stadtmuseum Bautzen sein.